Massiver Kälteeinbruch in den USA: Polarwirbel-Störung bringt historische Extremtemperaturen im Januar 2026

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Während sich in weiten Teilen Europas bis in den Februar 2026 hinein winterlich kaltes Wetter einstellt, geht es in den USA sogar noch heftiger zu.

Arktische Kältewelle erfasst zwei Drittel der Vereinigten Staaten

Die Vereinigten Staaten erleben im Januar 2026 einen der bedeutendsten Kälteeinbrüche der letzten Jahre. Eine massive Störung des Polarwirbels hat arktische Luftmassen aus dem hohen Norden Kanadas freigesetzt, die nun in mehreren Wellen über den nordamerikanischen Kontinent hinwegfegen. Über 170 Millionen Menschen sind von dieser außergewöhnlichen Wettersituation betroffen, die Temperaturen bis zu 30 Grad Fahrenheit unter dem jahreszeitlichen Durchschnitt mit sich bringt.

Die Wissenschaft hinter dem Phänomen: Stratosphärische Erwärmung als Auslöser

Der aktuelle Kälteeinbruch ist das direkte Resultat einer stratosphärischen Erwärmung, die Mitte Januar bestätigt wurde. Dieses meteorologische Ereignis hat den Polarwirbel – jenes riesige Band eiskalter Luft, das normalerweise über dem Nordpol kreist – destabilisiert und verschoben. Der südliche Lappen des Polarwirbels dringt tief über den Kontinent vor und bringt arktische Ausbrüche, Schneeperioden und eisige Kälte für den Rest des Monats.

Anders als bei einem vollständigen Zusammenbruch des Polarwirbels handelt es sich hier um eine Dehnung und Verschiebung des Wirbelkerns Richtung Ostkanada. Diese spezielle Konstellation öffnet wiederholt die „arktischen Schleusen“ und ermöglicht es eiskalten Luftmassen, weit nach Süden vorzudringen – teilweise bis nach Texas, Florida und an die Golfküste.

Meteorologen betonen die Besonderheit dieses Ereignisses. Ryan Maue warnte vor „historisch kalter Luft“, die sich über Westkanada und Alaska aufbaut, und merkte an: „Wir sehen diese Art von Kälte selten während der letzten 1.000 Jahre“. Diese Einschätzung unterstreicht die außergewöhnliche Natur des aktuellen Kälteeinbruchs.

Zeitlicher Ablauf: Zwei Hauptwellen extremer Kälte

Die Kältewelle entwickelt sich in mehreren Phasen, wobei zwei Hauptausbrüche besonders hervorstechen:

Erste Welle (23.-25. Januar): Der Höhepunkt der ersten arktischen Invasion erreicht die USA am Wochenende. Ein massiver Vorstoß arktischer Luft bringt anhaltende Kälteperioden für den östlichen Teil der unteren 48 Bundesstaaten bis Ende Januar. Besonders betroffen sind die Great Plains, der Mittlere Westen und die Great Lakes-Region, wo die Temperaturen auf minus 20 bis minus 35 Grad Celsius fallen können, bei gefühlten Temperaturen (Windchill) von bis zu minus 50 Grad Celsius.

Zweite Welle (26.-31. Januar): Eine zweite Welle arktischer Luft könnte noch extremer ausfallen, so der Klimatologe Judah Cohen. „Die zweite Runde kalter Luft hat das Potenzial, noch extremer zu werden“. Diese Phase könnte historische Tiefsttemperaturen selbst in den Südstaaten bringen, einschließlich Bereichen, die normalerweise milde Winter erleben.

Regionale Auswirkungen: Von Kanada bis Florida

Die Auswirkungen dieser Kältewelle variieren erheblich je nach Region:

Kanada und nördliche USA: Manitoba, Saskatchewan, Alberta, Ontario und Quebec liegen am nächsten am verschobenen Wirbellappen. Minimumtemperaturen von minus 35 bis minus 45 Grad Fahrenheit sind in den härtesten Nächten plausibel. Städte wie Winnipeg, Minneapolis, Fargo und Chicago müssen sich auf anhaltende Subzero-Bedingungen einstellen.

Mittlerer Westen und Great Lakes: Diese Regionen erleben das Herzstück der Kältewelle. Temperaturen können 10 bis 20 Grad unter den typischen Durchschnittswerten liegen, mit der Möglichkeit eines noch intensiveren arktischen Ausbruchs Anfang Februar. Hinzu kommt massiver Lake-Effect-Schnee, der lokal Schneemengen von 38 bis 76 Zentimeter oder mehr bringen kann.

Südstaaten – Eine ungewöhnliche Entwicklung: Besonders bemerkenswert ist, wie weit südlich die arktische Luft vordringt. Die Kaltfront dringt weit genug nach Süden vor, um potenziell seltene Schneefälle in Südgeorgien und Nordflorida auszulösen, wobei die Temperaturen in Florida niedrig genug fallen, um „fallende Leguan“-Warnungen auszulösen. Diese Referenz auf erstarrte Leguane, die von Bäumen fallen, ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie ungewöhnlich kalt es selbst in subtropischen Regionen wird.

Historischer Kontext: Ein Extremum oder Teil eines Trends?

Die Frage, ob dieser Kälteeinbruch am Rande eines Extremums steht, erfordert eine differenzierte Betrachtung. Einerseits weisen mehrere Faktoren auf ein außergewöhnliches Ereignis hin:

  1. Intensität und Dauer: Die Kombination aus extremer Kälte und deren Persistenz über mehrere Wochen ist ungewöhnlich. Modellvorhersagen zeigen, dass die Kälte bis Anfang Februar anhalten könnte.
  2. Geografische Ausdehnung: Das Vordringen arktischer Luft bis in die Golfstaaten und Florida ist selbst in strengen Wintern selten.
  3. Meteorologische Seltenheit: Die frühe stratosphärische Erwärmung und die spezifische Konfiguration des verschobenen Polarwirbels schaffen ideale Bedingungen für wiederholte Kaltluftausbrüche.

Andererseits muss dieser Kälteeinbruch im Kontext der jüngeren Klimageschichte betrachtet werden. Das Jahr 2025 war laut NOAA das viertwärmste Jahr in der US-Geschichte seit Beginn der Aufzeichnungen 1895. Die Kontraste könnten kaum größer sein: Während das Land Ende Dezember 2025 die wärmsten Weihnachtstage aller Zeiten erlebte – mit Rekordtemperaturen an vielen Orten – folgt nun diese extreme Kältewelle.

Januar 2025 war der kälteste Januar seit 2011 in den USA, wobei 166 von 191 analysierten Städten kälter als normal waren. Der aktuelle Januar 2026 könnte ähnliche oder sogar noch extremere Bedingungen bringen, was ihn zu einem der kältesten Januar-Monate des 21. Jahrhunderts machen würde.

Praktische Auswirkungen und Gefahren

Die Kältewelle bringt erhebliche Risiken und Herausforderungen mit sich:

Gesundheitsgefährdung: Bei Windchill-Werten von minus 45 Grad Celsius oder kälter kann Erfrierung exponierter Haut innerhalb von 10 Minuten auftreten. Behörden in mehreren Bundesstaaten haben Extreme Cold Alerts ausgerufen.

Infrastruktur: Stromnetze stehen unter enormer Belastung, insbesondere im Süden, wo Systeme nicht für derartige Extremtemperaturen ausgelegt sind. Die Erinnerung an den verheerenden Texas-Kälteeinbruch von 2021 ist noch frisch, obwohl Verbesserungen seither implementiert wurden.

Verkehr: Starke bis schwere nordwestliche Winde werden von Alberta und Saskatchewan, Kanada, südlich über Montana, Wyoming und die Dakotas bis Nebraska, Colorado und Kansas am Wochenende und Anfang nächster Woche vorhergesagt. Böenspitzen werden lokal 70-80 mph erreichen. Diese Bedingungen schaffen gefährliche Reiseverhältnisse mit reduzierter Sicht durch Schneeverwehungen.

Landwirtschaft: Ungewöhnlich tiefe Temperaturen ohne schützende Schneedecke können in einigen Regionen zu Schäden an Vegetation und Rohrleitungen führen.

Ausblick: Was folgt nach der Kältewelle?

Langfristprognosen deuten darauf hin, dass die Kälte zwar dominant bleibt, aber nicht ununterbrochen anhält. Nach den beiden Hauptwellen Ende Januar könnte es kurze Erholungsphasen geben, bevor möglicherweise Anfang Februar eine weitere intensive arktische Invasion folgt.

Interessanterweise zeigen Modelle für Februar 2026 weiterhin eine Unterstützung für nördliche Strömungen über den zentralen und nördlichen USA, was darauf hindeutet, dass der Winter seine Macht noch nicht aufgegeben hat. Gleichzeitig deutet eine schwache La Niña, die voraussichtlich im Zeitraum Januar-März endet, auf einen möglichen Übergang zu El Niño-Bedingungen später im Jahr hin, was wiederum die Wettermuster grundlegend verändern könnte.

Fazit: Ein Extremereignis in einer Ära der Wetterextreme

Der Kälteeinbruch im Januar 2026 steht tatsächlich am Rande eines Extremums – zumindest für die jüngere Vergangenheit. Die Kombination aus stratosphärischer Erwärmung, Polarwirbel-Störung und der daraus resultierenden anhaltenden arktischen Invasion schafft Bedingungen, die selbst erfahrene Meteorologen als bemerkenswert bezeichnen.

Paradoxerweise ereignet sich diese extreme Kältewelle in einem der wärmsten Jahre der Aufzeichnungsgeschichte, was die zunehmende Volatilität und die Extreme des Klimasystems unterstreicht. Während die globale Erwärmung fortschreitet, können regionale Ereignisse wie Polarwirbel-Störungen zu intensiveren Kaltluftausbrüchen führen – ein scheinbarer Widerspruch, der tatsächlich Teil des größeren Bildes chaotischerer Wettermuster ist.

Für die Millionen Betroffenen bleibt die unmittelbare Priorität, sich gegen die gefährliche Kälte zu schützen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob dieser Januar 2026 als einer der denkwürdigsten Wintermonate in die Wettergeschichte Nordamerikas eingeht.

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