Hitzewelle Juni 2026 – die bestätigten Extremwerte in Mitteleuropa
Kurzer Rückblick
Die Wetterlage selbst – Omega-Struktur, Saharaluft-Advektion (cT/xT), die Rolle des Trogs westlich Iberiens – habe ich im ersten Artikel ausführlich beschrieben. Wer den meteorologischen Hintergrund noch einmal nachlesen will, findet ihn dort: Hitzewelle Juni 2026 in Südwest- und Mitteleuropa – ein historischer Vergleich. Hier nur so viel zur Erinnerung: Die Hitzewelle begann am 18. Juni mit einer stabilen Omegalage über Frankreich, verlagerte sich dann ostwärts und erfasste am Wochenende 27./28. Juni mit voller Wucht Deutschland, Tschechien, Polen und Teile Österreichs, bevor ab dem 29. Juni Gewitter und kühlere Luft das Ereignis beendeten. Am 27. Juni waren laut Berechnungen rund 193 Millionen Menschen in Europa Temperaturen von 35 °C oder mehr ausgesetzt.
Bestätigte Extremwerte: Deutschland
An drei aufeinanderfolgenden Tagen fiel der nationale Allzeitrekord:
| Tag | Station | Wert | Vorheriger Rekord |
|---|---|---|---|
| Fr. 26.06. | Saarbrücken-Burbach | 41,3 °C | 41,2 °C (25.07.2019, Tönisvorst/Duisburg-Baerl) |
| Sa. 27.06. | Möckern-Drewitz (Sachsen-Anhalt) | 41,5 °C | – |
| So. 28.06. | Neißemünde-Coschen (Brandenburg) | 41,7 °C | – |
Alle drei Werte sind vorläufig und müssen vom DWD noch qualitätsgeprüft werden.
Regional: Berlin-Tempelhof meldete am 27.06. mit 39,9 °C einen neuen Allzeitrekord (alter Rekord: 38,9 °C, 7. August 2015, Berlin-Kaniswall/Treptow-Köpenick). Potsdam erreichte amtlich (DWD) ebenfalls 39,9 °C, ein neuer Stadtrekord (alt: 38,9 °C, 20. Juli 2022) – das private Netz Wetterkontor maß parallel 40,4 °C, ein Unterschied, der methodisch bedingt ist. Zusätzlich fiel in der Nacht zum 28.06. in Kubschütz (Sachsen) mit nicht unter 29,4 °C der Rekord für die wärmste Nacht in Deutschland – der bisherige Bestwert lag bei 27,2 °C (2003, Rheinland-Pfalz).
Bestätigte Extremwerte: Nachbarländer
Tschechien: Doksany (Region Aussig) meldete am 27.06. 40,8 °C, am 28.06. – je nach Quelle und Aktualisierungsstand zwischen 41,1 und 41,9 °C – jeweils neue Landesrekorde. Der alte tschechische Rekord lag bei 40,4 °C (20. August 2012, Dobřichovice). An rund 91 Prozent aller langjährigen CHMI-Stationen fiel allein am 27.06. der Tagesrekord.
Polen: Słubice an der Oder erreichte am 28.06. vorläufig 40,5 °C – ein neuer polnischer Allzeitrekord. Der bisherige Bestwert stammte von 1921 aus Opole/Oppeln (damals Deutsches Reich) mit 40,2 °C, der Nachkriegsrekord lag bei 39,5 °C (1994, ebenfalls Słubice).
Österreich: In Wien-Innere Stadt wurden am 28.06. 40,0 °C gemessen – ein neuer Wiener Allzeitrekord und ein neuer österreichischer Juni-Rekord. Der nationale Allzeitrekord (40,5 °C, 8. August 2013, Bad Deutsch-Altenburg) hielt dagegen knapp.
Die Schwüle-Komponente
Die ursprünglich trockene Sahara-Luft nahm auf dem Weg über Mittelmeer, Biskaya und schließlich über die Vegetation Frankreichs und Deutschlands zunehmend Feuchtigkeit auf. Anders als in labilen Kaltluftmassen konnte diese Feuchte in der bis in große Höhen durchgreifend warmen Luftmasse nicht durchmischt und abgeführt werden – sie blieb in den unteren Schichten konzentriert. Die Folge waren Taupunkte um 20 °C und örtlich darüber, was sich auch in den vielen gemeldeten tropischen Nächten zeigte (Tiefstwerte oft nicht unter 20–23 °C,). Diese Schwüle-Komponente erklärt, warum die gefühlte Belastung in Teilen Frankreichs und Deutschlands noch über das hinausging, was die reinen Maximalwerte vermuten lassen.
Bergstationen im Detail: Wo tatsächlich Rekorde fielen
Während sich die Schlagzeilen meist auf die Tiefland-Rekorde konzentrieren, lohnt sich bei dieser Hitzewelle der Blick auf die Mittelgebirgsgipfel, denn diese bieten meist ohne die zunehmenden Bebauungen und versiegelten Flächen in den tieferen Stationen eine bessere Vergleichbarkeit zu früheren Temperaturrekorden. Dort zeigt sich ein differenziertes Bild, das von echten Allzeitrekorden bis zu Werten reicht, die trotz extremer Hitze im Rahmen blieben:
| Station (Höhe) | Wert 27./28.06.2026 | Bisheriger Referenzwert | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Kahler Asten (842 m) | 33,0 °C (27.06.) | 31,9 °C, 25.07.2019 | Neuer Allzeitrekord (+1,1 °C) |
| Brocken (1141 m) | 29,3 °C (27.06.) | 29,7 °C, 25.07.2019 | Knapp kein Allzeitrekord, aber neuer Juni-Rekord (bisher 26,1 °C, 18.06.2021) |
| Fichtelberg (1215 m) | 31,2 °C (27.06.) | – | Von lokaler Wetterstation als Stationsrekord bestätigt |
| Feldberg/Schwarzwald (1493 m) | 27,9 °C (27.06.) | 27,0 °C, 26.06.2019 | Höchster bekannter Wert des letzten Jahrzehnts für diese Station |
| Zugspitze (2962 m) | 16,1 °C (27.06.) | bis 16,8 °C in den letzten 10 Jahren | Warm, aber kein Rekord |
| Schneekoppe (1603 m) | 24,4 °C (27.06.) / 25,7 °C (28.06.) | 25,2 °C, 02.08.1982 | Neue Allzeitrekorde, mehr dazu im Text. |
Der Kahle Asten liefert damit den eindeutigsten Befund: 33,0 °C übertreffen den bisherigen, seit 1926 dokumentierten Allzeitrekord der Station um mehr als einen Grad – ein deutlicher, kein knapper Ausreißer. Der Brocken bleibt dagegen knapp unter seiner eigenen Bestmarke aus dem Hochsommer 2019, stellt aber mit 29,3 °C einen neuen Juni-Rekord auf. Für den Fichtelberg bestätigt eine auf die Region spezialisierte Wetterstation den Stationsrekord, ohne dass mir der exakte Vorgängerwert vorliegt. Der Feldberg erreichte mit 27,9 °C den höchsten mir vorliegenden Wert der letzten zehn Jahre und übertrifft den bisherigen Spitzenwert vom 26. Juni 2019 – bemerkenswerterweise fast taggleich. Die Zugspitze bestätigt dagegen die Regel: Selbst eine derart intensive Hitzewelle reicht in fast 3000 m Höhe nicht für einen Ausreißer nach oben – sie bewegt sich im oberen, aber bekannten Rahmen der letzten zehn Jahre.
Auf der 1603 m.ü.NN hoch gelegenen Schneekoppe im Riesengebirge gibt es mehrere Stationen im Gipfelbereich. Die oben genannten Werte gelten für die polnische Seite – Observatorium IMGW. Auf der tschechische Seite des Gipfels gibt es noch die Station Poštovna (CHMI), Hier betrug der historischer Allzeitrekord: 25,8 °C (28. Juli 2013). Jetzt wurden hier am 27.06.2026: 26,0 °C und am 28.06.2026: 27,1 °C gemessen.
Die tschechische Poštovna liegt tendenziell auf der Südwestseite des Gipfels und profitiert stärker von der Aufheizung des Gerölls und der südwestlichen Exposition. Die polnische Station (Observatorium) ist etwas exponierter bzw. liegt eher nordostseitig und ist daher etwas kühler. Solche Unterschiede von 1–2 °C auf engstem Raum sind auf einem windigen Gipfel wie der Schneekoppe durchaus üblich. In beiden Fällen wurde auf der Schneekoppe ein neuer Allzeit-Rekord gemessen.
Hinweis: Sämtliche Temperaturwerte sind zwar geprüft, aber eine Garantie für Fehlerfreiheit gibt es nicht.
Historische Einordnung
Auch nach diesen Rekordtagen bleibt die Grundaussage aus dem vorherigen ersten Artikel bestehen: Im 2000-Jahre-Maßstab ändert sich durch diese – bemerkenswerte, etwa zehn bis zwölf Tage andauernde – Hitzewelle wenig an der Sonderstellung des Sommers 1540. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man Temperaturextreme von hydrologischen Extremen trennt, wie im Artikel zu den ausgetrockneten Flüssen Mitteleuropas dargelegt: Weder 2003, 2018 noch 2022 – und auch nicht die Tage Ende Juni 2026 – haben zu Berichten geführt, dass Rhein oder Elbe zu Fuß durchquerbar gewesen wären, wie es für 1540, 1303/04 und 1811 dokumentiert ist. Das ist kein Widerspruch zur Intensität der aktuellen Werte, sondern ein Hinweis darauf, dass Temperaturrekorde und Dürre-Rekorde zwei unterschiedliche Achsen sind: 1540 war vor allem durch eine elfmonatige Trockenphase (echte Temperaturmessungen gab es nicht) extrem, die Hitzewelle 2026 vor allem durch die Höhe und Häufung kurzfristiger Temperaturspitzen. Für eine seriöse Dürre-Einordnung dieser Junitage ist es schlicht noch zu früh – dafür braucht es erst die Pegeldaten der kommenden Wochen, die wiederum von den Wetterlagen der kommenden Wochen anhängen.
Diese Hitzewelle Ende Juni 2026 hat einen Platz in der Wetterchronik Außergewöhnliche Wetterereignisse in Mitteleuropa der letzten 2000 Jahre erhalten.
Ausblick
Nach dem Abbau der Omegalage weht für einige Tage deutlich kühlere und unbeständigere Luft nach Mitteleuropa, wobei es in der Südwesthälfte Deutschlands moderat sommerlich warm bleiben dürfte. Für die Zeit um den 10. Juli 2026 deuten die aktuellen numerischen Modelle bereits wieder eine neue Hitzewelle über Frankreich und Südwesteuropa an, die erneut bis nach Deutschland reichen könnte – ein Muster, das zu der im vorherigen Artikel erwähnten Tendenz zu wiederkehrenden Omega-Lagen in diesem Sommer passt.
Grundsätzlich scheint auch im Hochsommer 2026 die Neigung zu übernormalen Temperaturwerten in weiten Teilen Europas bestehen zu bleiben. Darauf wies ich bereits im Artikel „Langfristprognose Sommer 2026 für Deutschland“ hin. Und auch die aktuelle 28 Tage-Prognose des ECMWF zeigt ähnliche Muster: Die Tendenz zu normalen oder sogar unterdurchschnittlichen Temperaturwerten über Atlantik und vor allem Osteuropa und dazwischen in weiten Teilen Europas positive Temperaturabweichungen vom langjährigen Durchschnitt bis Anfang August 2026 ist erstaunlich deutlich zu erkennen.

Mehr zur 4-Wochen-Prognose auch unter Wetter-Langfristprognosen.
Wer mehr zu historischen Hitzesommern erfahren möchte, findet umfangreiche Recherchen auf folgende Seiten.
- Der Jahrtausendsommer 1540
- Heißeste Sommer Mitteleuropa – ein historischer Rückblick der letzten 2000 Jahre!
- Ausgetrocknete Flüsse Mitteleuropa der letzten 2000 Jahren
- Außergewöhnliche und extreme Wetterereignisse in Mitteleuropa der letzten 2000 Jahre
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.