Kalter Winter 2026 in Deutschland – dauert er noch bis März?

Langfristige Wetterprognose für Januar bis April 2026 in Deutschland und Mitteleuropa

Stand: 07.Januar 2026

Die Langfristprognose für die ersten Monate des Jahres 2026 basiert auf aktuellen Modellberechnungen führender meteorologischer Zentren. Die derzeit kalte Januarwitterung zeichnete sich bereits in den letzten Monaten ab. Hier die letzten beiden veröffentlichten Langfristprognosen auf schneedecke.de

Vorab: Grundsätzlich die Informationen, dass Langfrist-Wetterprognosen sind nicht vergleichbar mit Kurzfristprognosen, bei denen oft eine klare zeitliche und räumliche Zuordnung von Wetterabläufen gegeben ist. Bei langfristigen Wetterprognosen sucht man nach Signalen, in welche Richtung Temperatur und Niederschlag gehen könnten. Selbst bei klaren Signalen, ist die Eintreffwahrscheinlichkeit jedoch weit von 0% oder 100% entfernt. Mehr unter Langfristprognosen.

Winterprognose Deutschland 2026: Wie lange bleibt es kalt?

Die aktuelle Kältewelle hat Deutschland fest im Griff. Seit Ende Dezember 2025 sorgen polare, teils sogar arktische Luftmassen für strenge Fröste unter minus 10 Grad in den Nächten. Doch wie geht es weiter? Meteorologen analysieren derzeit verschiedene atmosphärische Phänomene, um die Entwicklung bis in den Frühling 2026 abzuschätzen. Die Prognose verspricht einen turbulenten Winter mit weiteren Überraschungen.

Die meteorologische Ausgangslage Anfang Januar 2026

Deutschland befindet sich derzeit in einer klassischen hochwinterlichen Blockadelage. Ein schwächelndes Zonalwindband (was sonst milde Atlantikluft nach Europa verfrachtet) ermöglicht es arktischer Kaltluft, weit nach Süden vorzustoßen. Kontinentale Kaltluftmassen aus Osteuropa dominieren das Wettergeschehen und sorgen für die strengen Nachtfröste, die in Tallagen und über Schneedecken teilweise unter minus 15 Grad fallen.

Diese Konstellation ist kein Zufall. Drei meteorologische Faktoren spielen zusammen und verstärken sich gegenseitig: ein gestörter Polarwirbel, die anhaltende La Niña-Phase im Pazifik und die Quasi-Biennial Oscillation (QBO) in ihrer Ostphase. Diese Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit für meridionale Strömungsmuster erheblich – mit direkten Folgen für unser Winterwetter.

Der Polarwirbel als Schlüsselfaktor

Besonders bedeutsam für die kommenden Wochen ist die Entwicklung des stratosphärischen Polarwirbels. Aktuelle Modellrechnungen zeigen Anzeichen für ein Sudden Stratospheric Warming (SSW) im Januar 2026. Bei einem solchen Ereignis erwärmt sich die Stratosphäre über der Arktis innerhalb weniger Tage um bis zu 50 Grad, was den normalerweise stabilen Polarwirbel schwächt oder sogar spaltet.

Die Auswirkungen auf unser Wetter erfolgen allerdings nicht sofort. Die Kopplung zwischen Stratosphäre und Troposphäre – unserem „Wetterstockwerk“ – benötigt typischerweise zwei bis vier Wochen. Das bedeutet: Ein SSW Anfang bis Mitte Januar würde seine volle Wirkung erst Ende Januar bis in den Februar entfalten. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit für weitere massive Kaltlufteinbrüche deutlich an.

Statistisch gesehen führen etwa 60 Prozent aller SSW-Ereignisse zu einer negativen Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO). Dies begünstigt blockierende Hochdruckgebiete über Skandinavien oder Grönland, an deren Ostflanke arktische Kaltluft nach Mitteleuropa strömt.

La Niña und ihre Rolle für Europa

Die aktuelle schwache bis moderate La Niña-Phase im tropischen Pazifik beeinflusst über komplexe Fernwirkungen auch das europäische Wetter. Statistisch zeigt sich in La Niña-Wintern häufig ein charakteristisches Muster: Ein kalter Frühwinter wird oft gefolgt von verstärkten Westwinden in der zweiten Winterhälfte.

Allerdings kann ein gleichzeitiges SSW-Ereignis dieses Muster durchbrechen. Die QBO in ihrer Ostphase unterstützt zusätzlich einen schwächeren Polarwirbel. Diese Konstellation erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine sogenannte Meridionalisierung der Strömung – also Nord-Süd-Wetterlagen statt der üblichen West-Ost-Strömung. Für Deutschland bedeutet dies: Weitere Kältephasen sind deutlich wahrscheinlicher als in typischen Wintern.

Januar 2026: Kampf der Luftmassen

Für die kommenden zwei Wochen zeichnet sich ein dramatischer Wetterumschwung ab. Die aktuelle Kälte dürfte bis etwa zum 12. bis 14. Januar anhalten. Danach deuten numerische Modelle wie ECMWF und GFS auf einen massiven Vorstoß-Versuch der atlantischen Frontalzone hin. Tiefdruckgebiete vom Atlantik versuchen mit aller Macht, die festgefahrene Kaltluft zu verdrängen.

Diese Wetterlage birgt erhebliches Unwetterpotenzial. An der Luftmassengrenze, wo milde Atlantikluft auf den ausgekühlten Kontinent trifft, besteht akute Gefahr für gefrierenden Regen und Glatteislagen. Besonders kritisch wird die Phase zwischen dem 12. und 16. Januar eingeschätzt. Regional können auch intensive Schneefälle auftreten, wenn die Temperaturgrenze günstig liegt.

In der zweiten Januarhälfte ist eine vorübergehende Milderung wahrscheinlich. Nasskaltes Westwetter mit Temperaturen um den Gefrierpunkt könnte das Tauwetter einleiten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 65 Prozent. Sollte das Sudden Stratospheric Warming jedoch schnell wirken, könnte bereits Ende Januar eine erneute Blockadelage entstehen. Der Januar 2026 dürfte insgesamt 1 bis 2 Grad kälter ausfallen als das Klimamittel (1991-2020), bei überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen in der zweiten Monatshälfte.

Die Prognosen deuten auf wiederholte Glätteereignisse hin, so dass die Winterdienste weiterhin viele Einsätze haben werden. Selbst in den milderen Phasen dürfte wegen des kalten/gefrorenem Boden häufig Gefrieren von Nässe und Reif in den Nächten auftreten.

Winterdienst_Deutschland_2026 - Kalter Winter 2026 in Deutschland
Die Winterdienste dürften im Winter 2026 in Deutschland auch weiterhin viel zu tun haben.

Februar 2026: Der zweite Winter?

Der Februar wird zum Schlüsselmonat. Hier entscheidet sich, ob der Winter 2025/26 in die Annalen eingeht oder doch noch milde ausläuft. Die Wahrscheinlichkeit für ein kälteres Szenario liegt derzeit bei etwa 60 Prozent.

Szenario A (60 Prozent Wahrscheinlichkeit): Der Polarwirbel-Split wirkt sich voll aus. Der Jetstream mäandriert stark und ermöglicht stabile Hochdruckgebiete über dem Nordatlantik oder Grönland. Diese sogenannte „High-over-Low“-Konstellation leitet arktische Kaltluft direkt nach Mitteleuropa. Das Resultat wäre ein klassischer „Spätwinter“ mit trocken-kaltem Wetter, Kahlfrost und zeitweiligen Schneefällen bis ins Flachland. Die gefürchtete „Beast from the East“-Lage aus dem Jahr 2018 ist ein Beispiel für dieses Muster.

Szenario B (40 Prozent Wahrscheinlichkeit): Der atlantische Ozean dominiert, verstärkt durch den späten La Niña-Effekt. Eine milde Westströmung setzt sich durch und bringt stürmisches, regnerisches und deutlich milderes Wetter. Die Temperaturen lägen dann 2 bis 3 Grad über dem langjährigen Mittel.

Nach einem SSW-Ereignis benötigt die Atmosphäre oft Wochen, um sich zu reorganisieren. Der Februar 2026 hat daher ein hohes Potenzial für anhaltende Kälte mit möglichen Dauerfrostperioden auch tagsüber.

Ergänzung: Die Vier-Wochenprognose des ECMWF zeigt nach einer Milderung um den 20. Januar ab dem Monatswechsel Januar/Februar 2026 bis zur Monatsmitte häufig keine signifikante  Abweichungen von langjährigen Durchschnitt. Am ehesten besteht eine Neigung zu eher unternormalen Temperaturwerten im nördlichen und östlichen Mitteleuropa. Das lässt weiterhin Spielraum für kältere winterliche Witterungsabschnitte bis weit in den Februar 2026 hinein.

Kalter Winter 2026 in Deutschland
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Winter 2026 zäh sein wird, ist erhöht.

März 2026: Zäher Frühlingsbeginn

Der meteorologische Frühlingsbeginn am 1. März könnte 2026 nur auf dem Kalender stattfinden. Nach einem starken SSW-Ereignis zeigen statistische Analysen häufig eine verzögerte Frühjahrserwärmung. Typisch sind sogenannte „Rückseitenwetterlagen“: Tiefdruckgebiete ziehen durch, auf deren Rückseite strömt polare Kaltluft ein.

Das Wetter im März dürfte daher wechselhaft und windig ausfallen – klassisches Aprilwetter bereits einen Monat zu früh. Kurze Wärmephasen mit zweistelligen Plusgraden werden rasch durch Kälterückfälle mit Graupel, Nassschnee und Nachtfrösten beendet. Die Durchschnittstemperatur wird wahrscheinlich im Bereich des Klimamittels liegen, mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 55 Prozent für leicht unterdurchschnittliche Werte.

Für die Landwirtschaft bedeutet dies: Vorsicht bei verfrühtem Austrieb. Spätfröste bis in die zweite Märzhälfte sind wahrscheinlicher als in den vergangenen milden Jahren.

April 2026: Endlich Frühling?

Bis zum April sollte sich die atmosphärische Zirkulation normalisiert haben. Die La Niña-Phase geht voraussichtlich in neutrale ENSO-Bedingungen über, was stabileres Wetter begünstigt. Mit zunehmendem Sonnenstand verlieren Kaltlufteinbrüche an Durchschlagskraft.

Die Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen April liegt bei etwa 60 Prozent, mit einer Temperaturabweichung von 0,5 bis 1,5 Grad über dem Klimamittel. Hochdruckwetterlagen werden häufiger, allerdings bleibt ein Restrisiko für Spätfröste bei klaren Nächten bestehen. Besonders in strahlungsintensiven Nächten können die Temperaturen in Bodennähe noch einmal unter den Gefrierpunkt fallen – eine Gefahr für die dann bereits fortgeschrittene Obstblüte.

Die Niederschlagsmengen dürften im April eher unterdurchschnittlich ausfallen, was nach einem schneereichen Winter zunächst unproblematisch erscheint. Sollte der Frühling jedoch trocken bleiben, könnte die Waldbrandgefahr im Mai steigen.

Winterprognose 2026 Deutschland
Prognose für den Hoch- und Spätwinter 2026 in Deutschland anschaulich dargestellt.

Extremwetter-Risiken im Überblick

Neben den allgemeinen Trends existieren mehrere Extremwetter-Szenarien, die besondere Aufmerksamkeit verdienen:

Glatteislagen Mitte Januar: Die Luftmassengrenze zwischen milder und kalter Luft ist ein klassischer Trigger für gefährliche Eisregenlagen. Gefrorene Böden, die von warmem Regen überströmt werden, verwandeln sich in Eisbahnen. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis zwischen dem 12. und 16. Januar liegt bei etwa 40 Prozent.

Dauerfrost im Februar: Ein vollständiger Zusammenbruch des Polarwirbels könnte zu wochenlangem Dauerfrost führen, ähnlich wie im Februar 1986, Februar 2012 oder März 2013. Selbst tagsüber würden die Temperaturen dann kaum über null Grad steigen. Die Wahrscheinlichkeit wird derzeit auf 25 bis 30 Prozent geschätzt.

Schnelltauwetter mit Hochwasser: Nach einem schneereichen Winter besteht im Falle plötzlicher Erwärmung Hochwassergefahr, insbesondere wenn gleichzeitig ergiebige Niederschläge fallen. Kritische Phasen sind Ende Januar bei Westwindwetter und Ende März bei Frühjahrshochwasser. Die Schneereserven in den Alpen und Mittelgebirgen sind bereits jetzt überdurchschnittlich.

Spätfrost-Schäden: Nach einem langen, kalten Winter verzögert sich die Vegetationsentwicklung. Kommt dann doch ein früher, warmer Schub im März, treiben Pflanzen aus – und sind anfällig für nachfolgende Frosteinbrüche. Dieses Szenario traf 2017 und 2020 die Obstkulturen besonders hart.

Fazit: Ein Winter mit Ausdauervermögen

Der Winter 2025/26 zeigt alle Anzeichen eines hartnäckigen, klassischen Winters mitteleuropäischer Prägung. Die Kombination aus Polarwirbel-Störung, La Niña und günstiger QBO-Phase lässt einen überdurchschnittlich kalten Januar und Februar erwarten. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Monate zusammen 1,5 bis 2,5 Grad unter dem Klimamittel bleiben, liegt bei etwa 65 Prozent.

Ein nachhaltiger Frühlingseinzug vor Ende März erscheint derzeit unwahrscheinlich. Erst im April dürfte sich wärmeres, stabileres Wetter durchsetzen. Für die Energieversorgung, den Verkehr und die Landwirtschaft bedeutet dies: Wachsamkeit und Vorbereitung auf weitere winterliche Phasen sind angebracht.

Wichtig zu betonen ist: Langfristprognosen über mehrere Monate unterliegen erheblichen Unsicherheiten. Die genannten Wahrscheinlichkeiten basieren auf Ensemble-Modellen und statistischen Analysen historischer Analogjahre, können aber keine Gewissheit bieten. Für aktuelle, detaillierte Warnungen sollten stets die Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und internationale Modelle wie ECMWF konsultiert werden.

Der Winter 2025/26 wird voraussichtlich als überdurchschnittlich kalt in die Statistik eingehen – eine willkommene Erinnerung daran, dass auch in Zeiten des Klimawandels klassische Winterwitterung möglich bleibt.

Unsicherheitsfaktoren

Die Vorhersagbarkeit sinkt mit zunehmendem Zeithorizont. Während die Februar-Prognose eine Genauigkeit von etwa 60-65% aufweisen, reduziert sich diese für April auf 40-45%. Entscheidend für den tatsächlichen Verlauf werden das genaue Timing möglicher Polarwirbel-Störungen sowie die Entwicklung der NAO-Phasenlage sein.

Diese Prognose sollte als Orientierung verstanden werden. Aktualisierte Berechnungen der Wetterdienste (DWD, ECMWF, NOAA) liefern mit abnehmendem Zeitabstand präzisere Informationen.

Auf der Seite  Langfristprognosen berichte ich über den aktuellen Status der 4-Wochen-Prognosen des ECMWF.


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